Eisweinlese, 26. Jänner 2007

Geduld ist die Tugend Nummer Eins, wenn man sich an das Projekt "Eiswein" heranwagt. Und die brauchte man heuer in Massen, weil die Wetterverhältnisse im Dezember nicht gerade danach aussahen, als würden sowohl der Winzer wie auch die Trauben die Kälte noch erwarten. Permanente Kontrollen der Weintrauben in Bezug auf Zuckergehalt und Haltbarkeit waren genauso nötig wie Vogelschutzmaßnahmen, damit sie nicht hungrigem Vogelvieh zum Opfer fallen sollten. Am 18. und auch am 28. Dezember 2006 wurden alle Lesehelfer auf ein frühes Aufstehen vorbereitet, weil es so aussah, als könne man die Lese an diesen Tagen riskieren. Ein Versuch wurde dann aber erst gar nicht unternommen, weil das Material bei einer Kontrolle um 3:00 Uhr nicht genug gefroren war und die Minusgrade auch schon wieder die Tendenz zeigten, weniger zu werden.

Ein Schock war die Sturmmeldung über das Tief Kyrill, weil die Befürchtung im Raum stand, dass der Orkan die ganze Ernte zu Boden reißen könnte. Schließlich lagen nach der Unwetternacht nur 250 kg zu unseren Füßen, die eingesammelt wurden und zu einer Beerenauslese weiterverarbeiteten wurden, die - wenn schon denn schon - den Namen Kyrill erhielt.

Am 26. Jänner 2007 wurde eine kalte Nacht vorhergesagt, und wirklich sank die Temperatur abends von Stunde zu Stunde. Alle Verwandten und Freunde, die ihre Hilfe angekündigt hatten, wurden verständigt, dass in dieser Nacht gelesen werde. Hochspannung bei einem nächtlichen Rundgang im Weingarten, und noch mehr Spannung bei einem Blick auf das Thermometer:

gefroren? kalt genug?

Um 5:00 Uhr Früh versammelte man sich im Schlosshof, ehe man sich mit schneefesten Allradfahrzeugen zum Weingarten außerhalb der Ortschaft auf den Weg machte. Auf die verträumte Wintermärchen-Landschaft achtete bei den -13 Grad Celsius niemand, weil eiligst mit dem Abschneiden der Trauben im Traktoren-Scheinwerferlicht begonnen wurde.

Aufgrund der klirrenden Kälte beeilte sich jeder beim Abernten, zur Motivation gab es nach der ersten geschafften Hälfte Glühwein, Punsch und Tee.Wenn auch die digitale Kamera bei dem Frost nicht leistungsfähig war, so waren es unsere Helfer um so mehr: Ein herzliches Dankeschön sagt Johann Wittmann mit dem Beisatz, dass "ihr natürlich etwas vom fertigen Wein als Entschädigung für eure Mühe bekommt" den fleißigen Händen von Eder Josef und Anna , Wittmann Franziska und Franz sowie Ferdinand und Johann sen., Höller Herta, Beate und Alfred, Hofstötter Josef, Eigner Josef , Grill Günter und Authried Josef.

Während sich die Helfer nach einem kräftigen Frühstück auf den Heimweg bzw auf den Weg zur Arbeit machten, begann für den Winzer die Arbeit im Keller, um das Konzentrat der Trauben aus dem gefrorenen Material zu pressen. Übrig blieb eisiger Trester, getrennt von der 36 Grad KMW süßen, kostbaren Flüssigkeit.


© Schlossweingut Johann Wittmann, 3721 Unterdürnbach 1a